Man kann jetzt die Deutsche Bahn AG auf Facebook gefällt-mir-en. Mit einer eigentlich gut durchdachten Aktion hat die Bahn auch in knapp 34 Stunden 4.000 Fans generiert. Es gibt ein nettes Spiel mit guten und attraktiven Gewinnen, es gibt Sonderkonditionen für die Facebook-Fans, die dort exklusive Sonderrabatte in Anspruch nehmen können. Die Seite sieht auch nett aus, es gibt eine Art eigenes CI mit klarer Verbindung zu Facebook, das Teilnahmeformular zum Gewinnspiel fragt keine unnötigen Infos ab und alles in allem würde ich die ganze Aktion als gelungen bezeichnen.
Es gibt aber trotzdem ein Problem: Es ist die Bahn! Und wie bei der Bahn so üblich stimmt der Zeitpunkt einfach nicht. Wenn diese Aktion Gegenwind zu denen im Netz beheimateten Stuttgart 21 Gegnern sein soll, werden die Befürworter der Bahn nicht ausreichen, um dem jetzt schon auf der Wall stattfindenden Parolenwettstreit gegen den Neubau des Bahnhofes irgendeine Form von Gegengewicht zu geben.
Gerade noch stand die Bahn in der Kritik angeblich über diverse Agenturen Stimmen und Posts in Social Media für ihren viralen Pro-Stuttgart-21-Kampf eingekauft zu haben, nun wagt sie sich in einem kaum zensierbaren Medium mit lustigen Spielen an die Öffentlichkeit.
Bisher werden die massive Kritik an Stuttgart 21 und die vielen negativen Posts zu Pünktlichkeit und Preisen noch höflich ignoriert. Anfragen zum Ablauf der Gewinnspiele werden aber sehr reizend beantwortet. Das ist leider keine wirkliche Strategie, wahrscheinlich aber die einzige Möglichkeit der Flut herzuwerden.
Die Bahn ist wieder zu spät. Die Macht von Social Media wurde in der „Kommunikation“ – so man das so nennen kann – zu Stuttgart 21 völlig verkannt, da ist es jetzt ein Fehler ein neues Forum zu bieten und in diesem zu schweigen. Wer den Fans eine Plattform bieten will, muss auch eine für Kritiker bereithalten.


